Pedalboard

Backstage in der Batschkapp, 2. Juli 2015: Suzanne Vega und Gerry Leonard haben gerade ihr zweites und letztes Deutschland-Konzert gespielt, jetzt gibt es Rotwein. Gerry Leonard (der früher bei David Bowie spielte), und Uli Kringler, den (neulich jemand in einem Review einen Gitarrengott nannte), sprechen über alte Gitarren und Effektgeräte. Das ist ein schönes Gespräch, zumal Leonard ein Meister des verwehten, gekonnt prozessierten Klangs ist – seinen Namen Spooky Ghost trägt er nicht ohne Grund. Modulierende Räume – das ist der Trick, sagt Leonard.

Modulierende Räume, das gefällt mir. Räume modulieren ja viel öfter, als wir annehmen. Verändern ihr Antlitz, erweitern ihre Dimension, verschwimmen einem vor Augen, wann sie wollen. Leonard bewirkt solche Phänomene allein mit seinem Pedalboard und seinem seinen wundervoll außerweltlichen Gitarrensounds. Gerade hat er wieder getan – man stand in der Batschkapp und meinte, die langgezogene Industriehalle verändere sich bei jedem Lied, als taumele sie in eine Parallelwelt wie die Menschen in der Fernsehserie Fringe.

Bei Bowie, der ja per se ein modulierendes Wesen ist, hat Leonard das auf die weltentrückte Spitze treiben dürfen – bei Vega mischt sich etwas Erdiges dazu, Leonard ist oben und unten, trägt die Last und macht sie federleicht. Sein Pedalboard beschreibt die Klänge zwar malerisch, ist in Wirklichkeit aber eine außerirdische Maschine – ein Raumschiff, für das nur Pilot Gerry Leonard einen Flugschein besitzt. Ground control to Spooky Ghost.